Ein Interview mit Johannes Groschupf


Johannes Groschupf ist “unser Autor“, das heißt, er ist der Schriftsteller, der die Gruppe schreibwütiger Torhorst Schülerinnen und (ja auch!) Schüler des Projektes „Wörterwelten- Autorenwerkstatt“ begleitet, anleitet und inspiriert.

Um ihn euch vorzustellen, habe ich ihn interviewt zu einem Thema, das mich auch selbst sehr interessiert:
Wie sieht so ein Schriftstelleralltag aus?“

Im folgenden Text gebe ich seine Antworten (blauer Text) auf meine Fragen (kursiv gedruckt) wieder.

Wann beginnt dein Tag?

In der Regel gegen halb acht, ich frühstücke und schreibe dann Tagebuch. Ich schreibe darüber, was ich geträumt habe, was ich an diesem Tag schaffen will, wie der vergangene Tag war. Danach, so gegen neun, sitze ich an meinem Schreibtisch oder auch an meinem Küchentisch um an meinem Buch weiterzuschreiben. Ich brauche nun absolute Ruhe, niemand außer mir ist noch in der Wohnung und gegen den Lärm von draußen (Johannes Groschupf wohnt in Berlin), schütze ich mich mit Ohrstöpseln.

Wie fängst du an, wenn du schreibst? Schreibst du mit der Hand oder am Computer?

Zuerst lese ich, was ich am letzten Tag geschrieben habe. Ich schreibe jeden Tag drei bis fünf Seiten. Dann bin ich in der Geschichte, die wie ein Film vor meinem inneren Auge abläuft. Ich stelle mir die einzelnen Szenen genau vor, ich spiele mit! Bin jede einzelne Figur, der Regisseur, Zuschauer und auch der liebe Gott, der es regnen lässt. Gleichzeitig denke ich darüber nach, ob es so richtig ist und in die Story passt.
Ich schreibe alles mit der Hand auf. Ich benutze Kugelschreiber oder auch einen Füller, wichtig ist, dass sie gut in der Hand liegen, und streiche einfach durch, was nicht gelingt.

Das klingt konzentrierter, anstrengender Arbeit. Wie lange machst du das?

Das mache ich ungefähr zwei Stunden, dann gehe ich raus, in ein Café zu einem zweiten Frühstück. Jetzt brauche ich eine Geräuschkulisse und ein bisschen Zerstreuung um weiterzuarbeiten. Ich denke nun über die Story als Ganzes nach, z. B., welches Ende sie bekommen soll. Oder über die einzelnen Figuren. Dazu mache ich mir Notizen und auch die Bedenken und Zweifel, die sich melden, schreibe ich ganz konkret auf. Zum Beispiel: Es interessiert sowieso niemanden.
Darauf antworte ich mir auch ganz konkret, z. Bsp. schreibe ich auf, wieviel Bücher ich schon verkauft habe. Es hilft mir über diese tägliche Hürde hinweg zu kommen.

(Das, fand ich, war ein ziemlich guter Tipp, mit seinen Ängsten fertig zu werden.)

Am Nachmittag bin ich in der Stadt (Berlin) unterwegs. Die Stadt ist meine wichtigste Inspirationsquelle. Ich bewege mich also durch die Stadt zu den Schauplätzen, über die ich schreibe und sauge dabei so viel Informationen auf, wie ich bekommen kann. Wie ein Reisender in einer fremden Stadt, der keine Attraktion verpassen will.

Das hört sich nach einem guten, aber auch ziemlich vollen Tag an. Wann machst du Feierabend?

So gegen sechs in der Regel. Den Abend nutze ich dann, um selber zu lesen. Oft hat das auch mit Recherche zu tun. Oder ich treffe mich mit Leuten, die mir bestimmte Dinge oder Abläufe, die in dem Buch vorkommen, genau und anschaulich erklären können. Z. Bsp. Einen Journalisten, wenn ich über eine Redaktion schreibe, oder einen Arzt, wenn eine meiner Figuren eine besondere Krankheit hat.

Vielen Dank für das Interview, lieber Johannes! Ich würde glatt mit deinem Tag tauschen, wenn ich nicht Bücher dafür schreiben müsste…

 Hat euch das Interview neugierig gemacht?

Benutzt diesen Link, wenn ihr erfahren wollt, welche Bücher Johannes Groschupf geschrieben hat. Vielleicht ist was für euch dabei!!

http://www.literaturport.de/Johannes.Groschupf/